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Dokumentation
Einblicke in die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der Biomedizin
Im IARA-Forschungskolloquium am 29.04.2026 ging es um das Interreg-IT-AT-PROMOS-Projekt, das biomedizinische Forschung und Vernetzung zwischen den beiden Nachbarstaaten durch verschiedenste Aktivitäten fördert und nachhaltig verankern möchte. Es freut uns sehr, dass 31 Personen teilgenommen haben und Interesse an dem bisweilen „sehr technischen“ Thema gezeigt haben. Im Fokus standen zwei größere Bereiche des Promos-Projekts, deren Ergebnisse bereits zum Großteil vorliegen und die vorgestellt wurden.
Lernen von den PROMOS Innovation Camps
Zum einen informierte uns Letícia Cotinguiba Silva über den Projektbereich „Tech Transfer Training & Networking“ und stellte konkret die Ergebnisse der Evaluierung der PROMOS Innovation Camps vor.
In 1-wöchigen „Boot-Camps“, die in Präsenz in Klagenfurt und Bolzano stattfanden, hatten Nachwuchswissenschaftler*innen die Möglichkeit, sich zu Themen wie Entrepreneurship, Science Communication und Intellectual Property weiterzubilden, sich mit Expert*innen, die vor Ort oder hybrid dabei waren, und potentiellen Firmen- oder Investitionspartner*innen zu vernetzen und ihre Geschäftsideen für die Gründung von Startups vorzustellen und zu diskutieren.
Die Innovation Camps lebten dabei von der Mischung an Vorträgen, selbständiger Arbeit an der eigenen biomedizinischen/medizinisch-technischen Produktidee, Firmenbesuchen und den informellen Begegnungen und Gesprächen. Das zentrale Anliegen war es, die in der „akademischen Welt“ entstandenen Ideen in konkrete Lösungen für die Wirtschaft und Gesellschaft zu „übersetzen“ und für ein „echtes Publikum“ (bei den anschließenden „Innovation Meetings“) attraktiv zu machen.
Die Evaluierung unter den Teilnehmer*innen hat gezeigt, dass das Angebot sehr positiv aufgenommen wurde, wobei die effektive Zusammenarbeit („Co-creation“) mit den Expert*innen am meisten geschätzt wurde. Die Frage, ob ein derartiges Trainingsformat in Präsenz gegenüber Online-Formaten relevant bleibt und punkten kann, wurde nicht final beantwortet, und ist Gegenstand weiterer Untersuchungen.
Auf Grundlage der Innovation Camps wurden im Rahmen von PROMOS auch Trainingsmodule (Micro-Credentials) für Master und PhD-Studierende entwickelt, die über das Projektende hinaus zur Verfügung stehen sollen.
Den Herzschlag lesen: KI-gestützte Analyse elektrischer Signale in Herzzellen
Im zweiten Teil des Forschungskolloquiums stellte Christoph Voutsinas Arbeiten an einer KI-gestützten Softwarelösung vor, die elektrische Signale von Herzzellen automatisch analyisiert.
Das übergeordnete Ziel ist die kardiale Sicherheitspharmakologie: Es soll geprüft werden, ob pharmazeutische Wirkstoffe das elektrische Verhalten von Herzzellen auf potenziell gefährliche Weise beeinflussen. Die Zellen stammen aus menschlichen Stammzellen, und ihre elektrische Aktivität wird mithilfe einer Technologie namens Multi-Electrode Arrays (MEA) aufgezeichnet – im Wesentlichen ein Gitter aus winzigen Sensoren, die die von den Zellen erzeugten Signale erfassen.
Die Kernidee hinter der Software ist die vollständige Automatisierung: Anstatt dass Expert*innen jedes Signal manuell untersuchen und interpretieren müssen, arbeiten vier spezialisierte KI-Modelle nacheinander.
Die ersten beiden identifizieren die scharfen elektrischen Spitzen, die auftreten, wenn Herzzellen feuern. Das dritte Modell lokalisiert ein spezifisches Merkmal namens T-Welle, das die elektrische Erholung der Zelle nach jedem Herzschlag widerspiegelt. Das vierte Modell klassifiziert, ob das gesamte Signalmuster normal aussieht oder Anzeichen für unregelmäßiges, potenziell gefährliches Verhalten aufweist – sogenannte arrhythmische Ereignisse.
Aus diesen Ergebnissen berechnet die Software etablierte Parameter, die in der Herzsicherheitsforschung verwendet werden, wie beispielsweise die Dauer des elektrischen Zyklus und Unregelmäßigkeiten von Herzschlag zu Herzschlag. Eine zentrale Herausforderung bei der Entwicklung des Systems war der Bedarf an hochwertigen Trainingsdaten: Die KI-Modelle mussten aus Signalen lernen, die menschliche Expert*innen zuvor geprüft und von Hand markiert hatten – ein Prozess, der erheblichen Zeit- und Arbeitsaufwand erforderte.
Um die Leistung zu bewerten, wurden die Ergebnisse der Software mit manuellen Annotationen verglichen, die unabhängig voneinander von drei Expert*innen vorgenommen wurden.
Die Ergebnisse waren vielversprechend: Die Erkennung von Spitzenwerten war nahezu perfekt, und die Zeitmessungen wiesen nur minimale Abweichungen von der Expert*innenreferenz auf – was deutlich innerhalb der klinisch akzeptablen Grenzen liegt.
Die Software kann daher als geeignet für das Screening der kardialen Sicherheit von pharmazeutischen Wirkstoffen angesehen werden. Ein zweiter Validierungsschritt, bei dem die Reaktionen auf bestimmte Medikamente untersucht werden, ist noch im Gange.
Weitere Infos & Kontakt
Für Rückfragen zum Forschungskolloquium steht am IARA Christoph Voutsinas zur Verfügung: C.Voutsinas@nullfh-kaernten.at
Die PROMOS-Gesamtprojektleitung obliegt dem ICGEB – International Centre for Genetic Engineering and Biotechnology in Triest, IT.
Das PROMOS-Projekt umfasst zahlreiche unterschiedliche Aktivitäten im Bereich biomedizinischer Forschung und Vernetzung sowie in der Entwicklung spezieller Ausbildungsprogramme. 2026 ist das letzte Projektjahr, daher gibt es einige Neuigkeiten, zu denen wir Ihnen im nächsten Forschungskolloquium des Alternsforschungszentrums IARA der FH Kärnten am Mi, 29.04.2026, 10-11 Uhr, online, ein Update geben möchten. Diesmal in englischer Sprache. Herzlich eingeladen, sich anzumelden und teilzunehmen!
Grenzüberschreitende biomedizinische Forschung und Vernetzung
IARA-Forschungskolloquium
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Wann | Mittwoch, 29.04.2026, 10-11 Uhr |
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Wo | Online über MS Teams |
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Anmeldung | Bis 28.04.2026, 12 Uhr Angemeldete Teilnehmer*innen erhalten rechtzeitig vor dem Forschungskolloquium den Zugangslink zum digitalen Meeting-Room. |
| Wenn Sie Einladungen zu IARA-Veranstaltungen gerne regelmäßig per Email erhalten möchten, tragen Sie sich bitte in unseren Verteiler ein. |
Das Forschungskolloquium dient der Präsentation und Diskussion von Forschungsergebnissen und Forschungsvorhaben sowie dem fachlichen Austausch.
In englischer Sprache!
Dieser Termin des Forschungskolloquiums findet in englischer Sprache statt. Daher folgt das Programm auf Englisch.
PROGRAMME
10:00 | Welcome
10:05 | Presentation
Supporting Early-Stage Researchers Through an Interdisciplinary Innovation Camp: Training in Entrepreneurship, Science Communication, and Intellectual Property
Letícia Cotinguiba Silva
10:25 | Presentation
The Utilization of Deep Learning for the Analysis of Electrical Signals from Cardiac Cells: Methodology and Results
Christoph Voutsinas
10:45 | Discussion and exchange
10:55 | Summary and conclusion
Moderation: Johannes Oberzaucher

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